Ustertag 2022
Rede an der Nachfeier Ustertag 2022
18. November 2022
Liebe Frau Bundesrätin
Liebe Honorationen der Zürcher Kantons-Regierung
Liebe Vertretungen aus der nationalen, kantonalen und kommunalen Politik, aus Bezirksbehörden, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Militär
Liebes Ustertag-Komitee
Liebe Gäste aus nah und fern
Herzlich Willkommen in Uster, hier in unserem schönen Stadthofsaal, wo wir uns - wie immer, jedes Jahr - zur Ustertag Nachfeier versammeln. Wie immer, haben wir die Ustertag Rede zum Gedenken an die Geschehnisse von 1830 im Ohr, wie immer auch die Salutschüsse der Kompagnie 1861. Wie immer wird es nun bald Salat und Risotto geben und wie immer dazu den Wein von den Ufern des Zürichsee, entweder von Küsnacht oder von Stäfa – und wie immer zum Schluss eine Cremeschnitte. Wie immer! Ist das nicht schön, dass ein Anlass dermassen Bestand hat, ein Anker der Zuversicht in diesen stürmischen Zeiten.
Letztes Jahr freuten wir uns hier drinnen noch, dass wir nach der Corona-Pause unseren Ustertag endlich wieder feiern konnten. Und heute sitzen wir bereits in der nächsten Krise und sind mit dem Krieg in der Ukraine und der Energiemangellage konfrontiert. Gut also, dass uns das stoische Ritual des Ustertags Trost spendet und zumindest hier drinnen alles wie eh und je ist: Rede, Salut, Salat, Risotto, Wein und Cremeschnitte!
Aber dem ist ja gar nicht so. Auch hier im Stadthofsaal ist es heute anders wie sonst. Sie haben es bestimmt bemerkt. Es ist deutlich kühler. Wegen dem drohenden Gasmangel hat der Stadtrat nämlich die Heizung heruntergedreht. Dieser Saal wird nämlich mit fossilem Gas beheizt und er ist kaum isoliert. Die knappe Wärme heizt vor allem den Stadtpark draussen. Das geht natürlich für einen links-grünen Stadtrat gar nicht. Wir stellen uns diesen Missständen deshalb vehement entgegen. Damit sie in Zukunft nicht mehr frieren müssen, soll die Heizung baldmöglichst ersetzt werden und gleichzeitig auch der Saal dazu.
Wir im Stadtrat finden, dass wenn sich Politiker und Politiker aus dem ganzen Kanton und sogar aus Bundesbern in Uster treffen, dass sie dafür einen warmen Ort verdient haben. Sie können nun sagen, dass damals beim ersten Ustertag 1830 den wackeren Mannen auch das freie Feld genügt hat. Heute weiss man aber, dass diese wackeren Mannen auch damals schon gefroren haben und nur deshalb aufs Feld ausgewichen sind, weil die Kirche zu klein war.
Bauen wollen wir diesen neuen Saal übrigens auf Bundesland, also auf Land, dass die Stadt Uster vor 90 Jahren dem Bund geschenkt hat – und das wir nun wieder für viel Geld zurückkaufen mussten. Auf diesem sogenannten Zeughausareal soll das neue Kultur- und Begegnungszentrum entstehen. Der Plan ist gut, es fehlt allein am Geld. Darum suchen wir wo immer nach Geld, damit Sie hier drinnen nicht jahrelang frieren müssen. Vielleicht könnten Sie, liebe Frau Bundesrätin, in Bern ein gutes Wort einlegen, so als kleines Entgegenkommen für das Entgegenkommen der Stadt Uster damals.
Aber natürlich könnte man bei dieser Gelegenheit auch gleich noch beim Kanton anfragen. Doch Regierungsratspräsident Stocker hat sich ja schon letztes Jahr grosszügig gezeigt und den Risotto übernommen – wofür wir ihm auch heute noch sehr dankbar sind. Aber ob da noch mehr drin liegt? In Sachen Beitrag aus dem Lotteriefonds für unseren neuen Saal hat der Finanzdirektor schon einmal interessiert zugehört und «ja, aber gesagt». Der Ball liegt jetzt in seinem Departement und wir hoffen natürlich sehnlichst, dass dieser wieder zurückgespielt, bevor die WM entschieden ist.
Wenn wir schon beim Regierungsrat sind: Für Uster ist es eine grosse Ehre, dass das hohe Gremium gleich im Duo vertreten ist. Mit Benno Scherrer hat zudem auch ein Aspirant den Weg zu uns gefunden – weit hatte er ja nicht. Böse Zungen sagen, dass der prominente Aufmarsch etwas mit den Wahlen zu tun hätte. Wir alle wissen, dass ist ja nur dummes Gerede, Fake-News oder beides. Der Regierungsrat und der Aspirant sind hier wegen dem Ustertag. Wegen dem Ritual von Rede, Salut, Salat, Risotto, Wein und Cremeschnitte – und in diesem Jahr natürlich wegen Ihnen und ihrer geistreichen Rede, liebe Frau Karin Keller-Sutter.
Womit ich zu meinem letzten Kapitel kommen möchte: Keller heisst ja nicht nur unsere hochgeschätzte Hauptrednerin, sondern bekanntlich auch der neue, junge Obmann des Ustertagskomitee Christoph Keller. Was mich zunächst zum ehemaligen alten Obmann bringt:
Lieber Werner Egli, Du hast mit viel Herzblut über viele Jahre die Geschicke des Ustertags begleitet, wofür ich mich im Namen aller Anwesenden herzlichst bei Dir bedanken möchte. Dank dir gibt es diese Feier und dank dir darf jetzt auch hier oben stehen. Der Stadtpräsident oder die Stadtpräsidentin von Uster hat unter deiner Leitung nämlich immer etwas zu sagen gehabt am Ustertag.
Nun aber zum jungen Wilden: Lieber Christoph Keller, uns verbindet vieles und weit mehr als die gleichen Anfangs- und Schlussbuchstaben im Kürzel unserer Parteien. Dein Vorgänger ist ja auch mein Vorgänger – auch wenn dieser unterdessen unsere schöne Stadt zugunsten einem noch schöneren Ort im Bündnerland verlassen hat. Lieber Christoph: Ich gratuliere dir herzlich und freue mich sehr, dass du das Amt übernommen hast. Es ist gut, dass der Ustertag in jungen Händen liegt. Wie ich am Anfang gesagt habe, schätzen wir alle die Geborgenheit innerhalb der Tradition des Ustertags. Gleichzeitig beobachten wir aber, die Welt wandelt sich, während wir hier drinnen alte Zeiten feiern. Wir sind deshalb alle gespannt, welchen Kurs du und dein Komitee in diesem Spannungsfeld finden werdet. Für heute und fürs erste kann es nun aber gerne und kühl weitergehen mit Rede, Salut, Salat, Risotto, Wein und Cremeschnitte.
Vielen Dank und en Guete!

