Rede am Türmlifestival 11. Juni 2023

Grusswort an der Jubiläumsfeier
15. Mai 2015

Liebe Freudwilererinnen, liebe Freudwiler
Liebe Ustermerinnen, liebe Ustermer
Liebe Festgemeinde, liebe Gäste

Wir haben heute so einen wunderbaren Tag, super Wetter um dieses grosse Fest in Freudwil feiern zu dürfen. Vor 100 Jahren, am 25. November 1923 war es bei der Einweihung des Türmleins und des Glöckleins anders, grau, kalt und dunkel, aber die Leute liessen sich die Festlaune auch damals trotz Wetter nicht nehmen.

Der Ablauf des Festes ist ausführlich in der damaligen Festschrift festgehalten. Diese Festschrift findet man auch auf Eurer Homepage. Ich liess es mir nicht nehmen, dieses Festschrift erstens mit Interesse zu lesen und zweitens ein Gang in unser Stadtarchiv zu machen. Auch dort wurde ich fündig.

Zunächst aber ein Zitat aus der Festschrift:

«Es war ein langer Bendelwurm

Die Vorbereitung für den Turm

Doch heute freut sich gross und klein

Und alles sagt, der Turm ist fein»

Der Bendelwurm war tatsächlich lang, dauerte es doch 66 Jahre von der ersten Idee bis zur Realisierung des Türmchens mit Glocke. Thema war, wie könnte es anders sein, vor allem die Finanzierung. Es wurde ein Turmbaufond eingerichtet und dieser wurde geäufnet durch Legate und Beiträge. Vor allem Herr Albert Bachofner, euch vermutlich ein bestens bekannter Freudwiler, zeichnete sich durch grosszügige und wiederholte Spenden aus. Ich stellen fest: Die Freudwiler:innen haben Ausdauer und bleiben hartnäckig dran, früher und so auch heute noch.

Erinnern wir uns doch an den Radweg Freudwil. Vor nicht langer Zeit durften wir diesen lange herbeigesehnten Radweg nach ebenfalls jahrzehntelanger Diskussionen endlich ebenfalls mit einem grossen Fest einweihen.

Zurück zum Turm und zur Glocke.

Was war überhaupt der Hintergrund, dass man über 66 Jahre hinweg dieses Projekt verfolgte: Einerseits ging es damals darum, dass die Schule forderte, dass die Kinder pünktlicher zur Schule kommen. Es kam hinzu, dass Freudwil damals wie heute keine Kirche hat und man damals – wie heute – die Kirchenglocken der umliegenden Gemeinden nicht hörte. Man könnte sagen, es war ein Kirchglockenloch. Ich würde natürlich nicht so weit gehen, dies mit der heutigen Netzabdeckung in Freudwil zu vergleichen.

Man liess sich damals bei Bau des Turms, der Glocke und der Uhr nicht „lumpen“. Nur das Beste war gut genug um die Präzision vom Uhrwerk sicherzustellen oder das Aussehen des Türmleins zu perfektionieren.

Es ging bei der Uhr und der Glocke aber nicht nur um die Pünktlichkeit der Schüler:innen, sondern auch allgemein um die Struktur des Alltags. Die Glocke hatte auch Informations- und Alarmfunktion. Heute gibt es natürlich andere Informationskanäle, bspw. einen Dorfchat. Früher war die Glocke deshalb sehr wichtig.

Im Archiv unserer Stadt fand ich die handschriftlich niedergeschriebenen Bestimmungen über das Läuten.

Über die Buchstaben a. bis g wird detailliert aufgeführt, zu welchen Tageszeiten und wofür die Glocke eingesetzt werden darf und muss.

Vom 1. Oktober bis 30. April täglich dreimal, im Sommer viermal

Montag bis Samstag, morgens, mittags um 11. Uhr, nachmittags um 16.00 Uhr bei Einbruch der Dämmerung. Am Sonntagmorgen gibt es ein spezielles Läuten in der Früh um 08.30 Uhr im Sommer sowie um 09.00 Uhr im Winter.

Auch die Länge des Geläuts wurde festgeschrieben: Unter der Woche dauert das Läuten jeweils 3 bis 4 Minuten. Am Samstagabend 7 bis 8 Minuten

Es gibt in dieser Läutordnung auch traurige bzw. ernste Gründe, die Glocke zu betätigen. So steht geschrieben, dass bei Beerdigungen und Brandfällen geläutet wird, letzteres kommt leider sowohl in der Vergangenheit, wenn man in die Geschichtsbücher schaut, immer wieder vorgekommen und verschont uns tragischerweise auch heute nicht.

Neben dem Schulhaus gibt es darum auch in jeder Aussenwacht ein Feuerwehr-Häuschen, zwei sehr wichtige Gebäude.

Aus freudigem Anlass, so das Reglement, kann bei Hochzeiten ebenfalls geläutet werden. Hierfür hat die Hochzeitsgesellschaft dem Schulabwart die horrende Gebühr von einem Franken zu entrichten. Aus den Quellen ergibt sich leider nicht, wie hoch der Nebenverdienst des Abwarts ausfiel. Geklärt ist aber die Entschädigung für das Geläut. Der Schulabwart erhielt hierfür 410 Franken im Jahr. Ob dies der jährlichen Teuerung angepasst wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

Zu diesem Auftrag kam hinzu, dass die Turmuhr mit seinem präzisen Uhrwerk wöchentlich aufgezogen werden musste. Heute würden wir wahrscheinlich den Akku laden, in Freudwil sogar mit Solarstrom.

Liebe Freudwilerinnen, liebe Freudwiler

Diese heutigen Feierlichkeiten zeigen sehr schön Euren Zusammenhalt und Euren Gemeinsinn. Das Türmlein, die Uhr, die Glocke sind Symbol dafür und haben, so sehe ich das, eine grosse Indentifikations-Kraft für euer Dorf. Gefreut hat mich zudem eure Einladung, auf der ihr das Zifferblatt der Kirche von Uster auf euer Türmlein «montiert» hat. Ein Zeichen für die Verbundenheit von Freudwil mit der grossen Stadt Uster.

Das Dorfleben bei euch wird gepflegt, man hilft sich in schweren Zeiten und feiert zusammen in schönen Zeiten, so wie heute. Die geographische Lage hilft glaube ich für diesen Zusammenhalt. Und so soll es auch bleiben.

Behaltet euren Gemeinschaft, eure Eigenständigkeit, euer wunderbares Ort- und Landschaftssbild, eure Ausdauer, eure Festfreude.

Als Stadtpräsidentin von Uster mit seinen Aussenwachten und im Namen der ganzen Stadt Uster gratuliere ich Euch herzlich zu eurem Jubiläum und wünsche fröhliche Festivitäten. Die Zeichen stehen gut, auch für die nächsten 100 Jahre.

Zum Schluss nochmals ein Zitat aus der damaligen Festschrift:

«Oh, wie ist es doch so schön

Im Dörfli einen Turm zu sehn.

Und mit pünktlicher Genauigkeit

Zu sehn, wie früh, wie spät die Zeit

Und zu hören den lieblichen Klang

Vom Glöcklein da droben so wonnesamm»

Herzlichen Dank.

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