Neujahrsempfang 2023

Ansprache anlässlich Neujahrsempfang für die Bevölkerung
8. Januar 2023

 

Liebe Ustermerinnen, liebe Ustermer
Liebe Besucherinnen, liebe Besucher

Herzlich willkommen am Neujahrsempfang der Stadt Uster! Schön, sind sie da! Es freut mich ausserordentlich, dass wir den Anlass heute in dieser Form durchführen können. Das ist nicht selbstverständlich, wie wir in den letzten zwei Jahren gesehen haben. Die Stadt Uster hat den traditionellen Neujahrsempfang wegen den Pandemie-Massnahmen zwei Mal absagen müssen. Ja, es ist nur einer von vielen Anlässen gewesen, die nicht stattfinden konnten. Denken wir doch nur an unseren Uster-Märt!

Umso mehr freue ich mich, dass ich Sie zum ersten Mal zum Neujahrsempfang auf dem Zeughausareal begrüssen darf. Das Areal hat sich ja in den letzten Jahren zum eigentlichen Treffpunkt der Stadt entwickelt: Ob Kultur, Wirtschaft, Gastronomie, Public-Viewing, Jugend, Sport oder private Feste: Hier sind alle zu Hause. Und das soll auch so bleiben. Aktuell stecken wir mitten in den Planungsarbeiten für das Kultur- und Begegnungszentrum, das hier entstehen soll. Im Herbst werden wir die Resultate der Planung vorstellen können. Ich bin begeistert vom Potenzial des Areals und vom Projekt an sich. Sie selbst werden dann im Frühling 2024 über den Baukredit abstimmen können.

Aber ich möchte jetzt nicht zu weit vorgreifen. Die letzten beiden Jahre haben uns gezeigt, dass sich die Welt schnell und schlagartig verändern kann. Wir haben gelernt, lokale Antworten auf globale Krisen zu geben.

Ob Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg oder Energiemangellage: Uster hat seine eigenen Lösungsansätze für diese globalen Herausforderungen gefunden und dabei bewiesen, dass die Stadt Krisen mit Innovation und Entwicklung meistern kann.

Erinnern Sie sich an die Usterbatzen-Aktion? Um die wirtschaftliche Folgen der Corona-Pandemie abzufedern und dem lokalen Gewerbe zu helfen, hat der Stadtrat für diese Solidaritätsaktion 100'000 Franken bewilligt. Mit dem Beitrag konnte die Bevölkerung die Usterbatzen zu einem günstigeren Preis kaufen. Und tatsächlich: Die Leute haben mitgemacht, die Usterbatzen sind über den Ladentisch gerollt und die Kaufkraft in Uster ist verstärkt worden. Uster ist es gelungen, in einer schwierigen Lage eine kreative Antwort zu finden.

Heute wissen wir, dass Uster die wirtschaftliche pandemiebedingten Turbulenzen ziemlich unversehrt überstanden hat. Der Stadt Uster geht es finanziell gut. Wir haben solide Finanzen und in den letzten drei Jahren haben wir viele Schulden zurückbezahlen können. Wir haben somit unseren Schuldenberg abbauen können. Das ist in Zeiten wie heute ein äusserst positiver Leistungsausweis! Mich freut es auch, dass es den Ustermer und Ustermerinnen gut geht: Die Steuereinnahmen von privaten Personen sind gestiegen und in Uster haben wir eine der niedrigsten Sozialhilfequoten der Schweiz – und das seit Jahren!

Wer aber dennoch Hilfe und Unterstützung braucht, bekommt diese in Uster. Das hat die Situation mit den Schutzsuchenden aus der Ukraine gezeigt. Die Solidarität bei uns in Uster ist überwältigend gewesen. Und das eindrückliche Engagement hält an: Noch immer ist fast ein Viertel der Schutzsuchenden privat untergebracht. Persönlich und im Namen der Stadt Uster möchte ich allen privaten Gastgebenden für ihre grosszügige und unkomplizierte Unterstützung von ganzem Herzen danken!

Auch die Stadt Uster hat ihr Möglichstes getan, um den Menschen aus der Ukraine zu helfen. Der Stadtrat hat einer Lösung zugestimmt, die es wohl in keiner anderen Gemeinde oder Stadt gibt: Wir haben einen Teil der Schutzsuchenden direkt bei uns im Stadthaus untergebracht. Im Rahmen von den Umbauarbeiten im Stadthaus haben wir kurzerhand entschieden, Wohnplätze für Schutzsuchende statt Büros für Mitarbeitende zu schaffen. Unter der Leitung der Asyl- und Flüchtlingskoordination haben Mitarbeitende an den Wochenenden durchgearbeitet, haben sich Teams gegenseitig ausgeholfen und sind in der Ikea Möbel kaufen gegangen: Alle mit dem gleichen Ziel, diese ungewöhnliche Idee so schnell wie möglich zu verwirklichen. Es ist ein Experiment gewesen, von dem wir nicht wussten, wie es ausgehen wird.

Wie sieht es heute aus? Was ist die Bilanz? Ich kann ihnen mit Stolz sagen, dass das Nebeneinander von Mitarbeitenden und Schutzsuchenden reibungslos funktioniert. Unsere Mitarbeitende zeigen sich sehr flexibel. Über 30 Personen aus der Ukraine haben bei uns im Westflügel des Stadthauses einziehen können. Ja, ich bin als Stadtpräsidentin sehr froh, um diese Lösung, die sich als ideal und kostenoptimiert herausgestellt hat – und auch die kantonalen Vorgaben erfüllt. Die Situation in der Ukraine hat sich leider bis heute nicht verändert und so werden wir die Wohnplätze im Stadthaus weiterhin brauchen.

Ich habe gesagt, dass wir in Uster auf globale Herausforderungen lokale Antworten geben müssen. Natürlich können wir Weltpolitik nicht von Uster aus steuern. Und natürlich entscheiden nicht wir in Uster, ob die Energie für die Schweiz im Winter reichen wird oder nicht. Aber wir können unseren Beitrag leisten. Und wir können ein Vorbild für andere sein.

Bis Ende März will die Stadt Uster ihren Energieverbrauch um 15 Prozent senken. Ich bin sicher, dass uns dies gelingen wird. Wir haben dafür diverse Massnahmen getroffen: Unter anderem haben wir in den öffentlichen Gebäuden die Temperatur auf 20 Grad gesenkt, im Hallenbad haben wir die Wassertemperatur um 1 Grad reduziert und die Strassenlampen bleiben unter der Woche von 1 bis 5 morgens dunkel. Sicher ist auch ihnen aufgefallen, dass wir auf die Weihnachtsbeleuchtung verzichtet haben und so eine weitergehendere Massnahme getroffen haben als andere Gemeinden. Einen wichtigen Beitrag bei den Energiesparzielen leistet natürlich auch Sie, liebe Ustermer und Ustermerinnen – allen, die sich die Empfehlungen vom Bund zu Herzen nehmen und diese in ihrem Alltag umsetzen, möchte ich an dieser Stelle im Namen vom Stadtrat danken. Die Stadt Uster steht voll und ganz hinter dem Motto: «Energie ist knapp. Verschwenden wir sie nicht.»

Am Stadtrat ist das Klima wichtig – nicht nur zu Zeiten des Energiemangels. So sind wir mit der Energie Uster AG fleissig daran, die Solarenergie deutlich auszubauen. Wer sich für das Klima, die Energie und die Umwelt in Uster besonders einsetzt, soll in Zukunft für eine ausserordentliche Leistung oder Tätigkeit speziell gewürdigt werden. Dafür haben wir den Nachhaltigkeitspreis geschaffen. Dieser Preis ist mit 10 000 Franken dotiert und wird im Frühling zum ersten Mal vergeben.

Seit einem halben Jahr hat die Stadt Uster zudem eine neue Fachstelle, die sich ganz dem Thema Nachhaltigkeit widmet. Unter deren Leitung haben im letzten Herbst zum ersten Mal die sogenannten Klimatage stattgefunden. An verschiedenen Anlässen ist aufgezeigt worden, wie die Ustermer und Ustermerinnen ihren Energie- und Ressourcenverbrauch schrittweise reduzieren können. Für alle, die diese Anlässe verpasst haben: Die Klimatage finden im nächsten Herbst wieder statt.

Und es ist noch mehr geplant: Im Mai und Juni gibt es mit den Klimawochen eine ganz spezielle Veranstaltungsreihe! Die Stadt Uster lädt dazu Privatpersonen, Vereine, Firmen und Schulklassen zum Mitgestalten ein. – Ich lade auch Sie ein – machen auch Sie mit, wenn Sie Ideen haben! Im Fokus steht die Produktion von Lebensmitteln. Wir werden dabei die ganze Wertschöpfungskette verfolgen: Vom Anbau auf dem Feld bis zur Entsorgung als Grüngut oder Food Waste. Und wenn ich schon gleich bei der Entsorgung bin: Seit dem 1. Januar ist an der Hauptsammelstelle an der Dammstrasse eine Kunststoffsammlung in Betrieb. Die Stadt Uster folgt damit der Empfehlung der kantonalen Baudirektion. Ich rufe Sie auf - Nutzen Sie das neue Angebot!

Besondere Situationen erfordern besondere Lösungen: Innovativ hat sich letztes Jahr auch die Primarschule gezeigt. Mit viel Engagement und Einfühlungsvermögen gegenüber den ukrainischen Kindern sind Aufnahmeklassen geschaffen worden. Damit dies möglich ist, braucht es aber auch genügend Lehrpersonen – für alle Schülerinnen und Schüler. Und wie Sie sicher gelesen haben, ist es nicht einfach, solche zu finden. Das Problem ist in Uster früh erkannt worden und man den Lehrermangel, als er sich abgezeichnet hat, proaktiv angepackt.

Kaum eine andere Gemeinde oder Stadt hat mit einem so originellen Videoclip für so viel Aufmerksamkeit gesorgt. Im Video haben Schülerinnen und Schüler «coole» Lehrerinnen und Lehrer nach Uster eingeladen, um hier Schule zu geben. Uster hat sich klar als fortschrittliche Arbeitgeberin positioniert. Das hat sich gelohnt: Die offenen Stellen konnten gut besetzt werden. Auch die Personen ohne anerkanntes Lehrdiplom haben in Uster gut angefangen und werden eng begleitet, um für einen guten Unterricht zu sorgen. Sie sehen, Uster setzt auf eigene Lösungen – und das mit Erfolg!

Uster wird auch in Zukunft in ein gutes Bildungssystem investieren und arbeitet momentan an drei Bauprojekten: Die Schulhäuser Oberuster, Gschwader, Talacker und die Heilpädagogische Schule sollen baulich erweitert werden. In Oberuster wird auch noch eine Tagesschulabteilung entstehen. Ja, Uster wächst: Dafür brauchen wir mehr Schulraum und diesen müssen wir sorgfältig und vorausschauend planen.

Die Bevölkerung soll von einer guten Infrastruktur profitieren. In dem Zusammenhang möchte ich auf die umfassende Sanierung der Badewassertechnik im Hallenbad hinweisen. Der alte Teil vom Hallenbad mit den beiden 25-Meter-Schwimmbecken bleibt darum von Mitte Mai bis Mitte September 2023 geschlossen. An den beiden mittlerweilen 35-jährigen Becken müssen dringend nötige Sanierungen gemacht werden. Das Olympiabecken und der Wellnessbereich bleiben aber weiterhin zugänglich und wie immer ist im Sommerhalbjahr auch das Dorf – und Strandbad zum Schwimmen offen.

In einem Punkt dürfen wir in Uster punkto Infrastruktur besonders stolz sein: Unsere Bibliothek ist im Kanton Zürich seit letztem Jahr unschlagbar! Seit die Öffnungszeiten auf 365 Tage im Jahr von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends erweitert worden sind, erlebt die Bibliothek einen regelrechten Boom. Wir haben doppelt so viele Neuanmeldungen wie im gleichen Zeitraum in den Vorjahren. Die Besucherinnen und Besucher haben die Bibliothek als Lernzentrum, als Informationszentrum und zugleich als Freizeitzentrum entdeckt. Das freut mich! Ich bin sicher, die Erfolgsgeschichte der Bibliothek ist noch lange nicht fertig.

Mehr zittern mussten wir letztes Jahr in Uster um unser Spital. Der Stadtrat hat sich mit den zehn Trägergemeinden beim Regierungsrat tatkräftig für definitive und unbefristete Leistungsaufträge eingesetzt. Ich bin erleichtert, dass der Regierungsrat die grosse gesamtkantonale Patientenversorgung und die regionale wirtschaftliche Wertschöpfung vom Spital Uster erkannt hat. Eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung ist zentral für die Lebensqualität einer Stadt.

Als Stadt können und wollen wir die Lebensqualität in Uster immer noch steigern. Dazu trägt auch die Förderung vom öffentlichen Verkehr und vom Veloverkehr bei. Beim öffentlichen Verkehr hat sich die Buslinie 818 zum Sportareal Buchholz als fester Bestandteil vom städtischen ÖV-Angebot etabliert und ist nicht mehr aus dem Liniennetz wegzudenken. Ich verspreche ihnen, dass sich der Stadtrat beim Zürcher Verkehrsverbund mit Vehemenz einbringt, damit die Buslinie 818 beim Fahrplanwechsel im Dezember 2023 ins Busnetz aufgenommen wird. Damit könnten wir den Bus 818 langfristig sichern.

Bei der Verbesserungen für den Veloverkehr erzielen wir dank dem Rahmenkredit der Veloinitiative grosse Fortschritte. Über drei Kilometer Velostreifen sind neu gebaut oder verbreitert worden. Und wir wagen sogar Experimente, die kantonsweit Beachtung finden: Mehr Platz für Velos, etwas weniger für Autos. Wir haben den Versuch an der Brandstrasse erstmalig ausprobiert und jetzt um weitere Strassen erweitert. An der Bankstrasse, Haberweidstrasse, südliche Gschwaderstrasse und der Wagerenstrasse ist die Strasse eigentlich zu schmal für eine Markierung von zwei Velostreifen. Doch wir wollen herausfinden, ob auch diese Abschnitte mit einer vergleichsweise einfachen Massnahme velofreundlicher gemacht werden können. An der Brandstrasse ist das gelungen. Im nächsten Sommer können wir dann  abschliessend sagen, ob das Konzept auch auf den anderen Strassen funktioniert. Natürlich sind die Stadt- und die Kantonspolizei in das Projekt involviert, denn am Schluss geht es auch um die Sicherheit von allen Verkehrsteilnehmenden.

Und für die, die auch etwas ausserhalb von Uster mit dem Velo unterwegs sind, hat es letztes Jahr ein besonderes Highlight gegeben: Nach jahrelanger Planung, aber umso kürzerer Bauzeit, ist der Veloweg nach Freudwil eingeweiht werden. Es ist ein Fest gewesen, an dem über 100 Personen teilgenommen haben. Alle haben sich über die neue optimal gelungene Route gefreut!

Komfortabel soll es für Velofahrende in Zukunft auch zwischen Greifensee und Oberuster werden. Dort planen wir eine möglichst durchgehende Velokomfortroute. Auch diese wird aus dem Kredit der Veloinitiative alimentiert. Der erste Abschnitt entsteht zwischen dem Stadtpark und dem Greifensee. Einzelne Teilstrecken werden für den Veloverkehr optimiert und Kreuzungen für den Veloverkehr sicherer gemacht. Sie sehen, wir folgen ganz dem Motto «Uster steigt um»!

Wem dies jetzt aber alles etwas zu viel Velo ist, den kann ich verstehen und sagen: Uster kümmert sich auch um seine Fussgänger und um seine Autofahrerinnen. Ein neues Parkleitsystem im Zentrum wird dafür sorgen, dass Autofahrende schneller einen freien Parkplatz finden. Fussgängerinnen werden an der Gerichts- und Webernstrasse ungestörter flanieren können. Diese Vision von einem attraktiven Stadtzentrum und einem nachhaltigen Uster wird sich im kommunalen Richtplan niederschlagen. In den Wohnquartieren soll künftig Tempo 30 gelten. Der Richtplan wird dem Gemeinderat in diesem Jahr zur Festsetzung übergeben. Als Architektin und auch als Stadtpräsidentin ist mir klar: Das wird ein Meilenstein für die Ustermer Stadtplanung! Der Richtplan schafft eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung unserer Stadt.

Unsere Stadt entwickelt sich aber nicht nur analog, sondern auch digital. Letztes Jahr haben wir unter dem Namen «mein-uster.ch» einen partizipativen Prozess angestossen, um die städtische Webseite zu erneuern. Über 120 Personen aus der Bevölkerung haben sich engagiert und haben sich mit ihren Ideen und Bedürfnissen eingebracht, wie sie sich die zukünftige städtische Webseite vorstellen. Das Ergebnis liegt seit kurzem vor: Im Zentrum werden die sogenannten E-Services stehen. Die Stadt Uster will ein digitales Service-Portal aufbauen. Bestehende digitale Dienstleistungen sollen optimiert, zusätzliche Dienstleistungen digitalisiert werden. Die Basis für das neue Zielbild sind darum auch die Erkenntnisse aus der Mitwirkung «mein-uster.ch» gewesen. Viele wertvolle Inputs aus der Bevölkerung sind in das Projekt eingeflossen. Ich danke allen, die sich daran beteiligt haben!

Ich habe es am Anfang erwähnt: Unsere Welt kann sich schnell und schlagartig verändern. Wir wissen nicht, was kommt. Wir wissen aber, dass wir es bis jetzt in Uster geschafft haben, auf viele Herausforderungen eine Lösung zu finden. Ich bin überzeugt, dass uns das auch in Zukunft gelingt! Im Namen vom ganzen Stadtrat wünsche ich Ihnen alles Gute für das Jahr 2023!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit, ich freue mich, mit Ihnen allen auf das neue Jahr bei Suppe und Glühwein anzustossen!

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