40 Jahre Deckeneinsturz Hallenbad Uster

Ansprache am Gedenkanlass
9. Mai 2025

 

Liebe Gäste

Wir sind heute hier zusammengekommen, um an ein Ereignis zu erinnern, das vor 40 Jahren unsere Stadt und auch Sie persönlich tief erschüttert hat. Am Donnerstag, 9. Mai 1985, gegen 20.20 Uhr geschah das Unfassbare: Die Decke des Hallenbads fiel auf das Becken und schloss über ein Dutzend Menschen unter sich ein.

Noch heute ist das Thema allgegenwärtig. Viele Ustermer und Ustermerinnen haben lebendige Erinnerungen oder einen Bezug zum Deckeneinsturz: Sie waren selbst kurz vorher im Hallenbad gewesen, sie hatten die Sirenen gehört und die Einsatzfahrzeuge an der Unfallstelle gesehen, oder sie kennen Betroffene in ihrem Umfeld. Sie alle haben ihre eigene Geschichte von diesem tragischen Ereignis. Ich selber kann mich persönlich noch genau erinnern, wo ich damals war, als ich von diesem Unglück Kenntnis erhielt, es war an der Bar im Jugendhaus Uster, im heutigen Frjz. Auch Sie, oder zumindest die meisten hier, verbindet eine solche eigene Geschichte mit diesem Unglück.

Ich betrachte dieses tragische Ereignis bis heute als das grösste Trauma unserer Stadt. Das zeigen uns auch die Gespräche, die im Vorfeld dieses Anlasses mit Betroffenen geführt wurden, und die uns ihre Erlebnisse erzählt haben. Dabei haben wir gespürt, wie viel Kraft es braucht, um ein solches Erlebnis auch nur ansatzweise zu verarbeiten. Die Geschichten, die Schicksale, von denen wir erfahren habe, gehen einen sehr nahe. Gleichzeitig finde ich es aber auch wichtig, dass wir gemeinsam über dieses Trauma unserer Stadt sprechen. Auch wenn es schwerfällt, müssen wir versuchen, dem Unfassbaren Worte zu geben.

Dazu gehören auch die Geschichten der Menschen, die vor Ort Hilfe geleistet haben. Einige von diesen Personen sind heute hier unter uns. Ihnen, und all jenen, die heute nicht dabei sein können, gebührt mein persönlicher Dank und jener der gesamten Stadt Uster. Dazu gehören die Athleten vom Schwimmclub. Dazu gehört der Bademeister, der daran dachte, die Sicherungen herauszuschrauben, um Stromschläge zu verhindern. Dazu zählen aber auch die zahlreichen Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Zivilschutz, die Samariter und viele mehr, die vor Ort waren. Sie haben unter schwierigsten Bedingungen gearbeitet und unschätzbare Hilfe geleistet. Die Einsätze aller dieser Menschen, Ihr Einsatz verdienen meine höchste Anerkennung.

Leider konnten nicht alle gerettet werden. 12 Personen haben bei diesem tragischen Unglück ihr Leben verloren. Lassen Sie uns jetzt eine Schweigeminute einlegen, um der Opfer zu gedenken und den Angehörigen unsere tiefste Anteilnahme auszudrücken.

Es gab aber auch Betroffene, die Glück hatten und die bis heute dankbar sind, dass sie überlebt haben. Für die meisten von ihnen ging der Alltag oberflächlich nahtlos weiter; was in ihrem Innern vorging, wissen nur sie selber.

Das Hallenbad Uster selber wurde nach diesem Ereignis in relativ kurzer Zeit saniert und mit einem zusätzlichen Becken wiedereröffnet. Rund 30 Jahre später erfuhr das das Hallenbad eine weitere umfassende Sanierung und Erweiterung mit einem neuen, 50 Meter-Olympia Becken und einer schönen Wellnessanlage. Heute gehört das Hallenbad Uster zu den grössten Hallenbädern der Schweiz. Es ist sehr gut besucht, beliebt bei Jung und Alt, bei Profis und Amateuren. Doch - das Unglück ging nie vergessen. Es bleibt in Uster – aber auch darüber hinaus, in der Schweiz – stets präsent, trotz der zeitlichen Distanz.

Heute wollen wir uns an die Menschen erinnern, die vor 40 Jahren an dieser Stelle waren: als Betroffene, als Angehörige, als Helfende. Vielen Dank allen ihnen, die den Weg heute hierher gefunden haben. Möge dieses Gedenken uns daran erinnern, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein und gemeinsam für eine sichere Zukunft zu arbeiten.

Ich möchte zum Schluss namentlich eine Person hervorheben, die mit dieser Geschichte des Hallenbads untrennbar verknüpft ist. Als langjähriger Präsident vom Schwimmclub Uster hast du, Philippe Walter die Zeit zwischen Tragödie und heutigen Erfolgen erlebt – und geprägt. Der Schwimmclub Uster ist ein Zeichen dafür, dass aus Trauer und Verlust auch neue Hoffnung und Stärke erwachsen können. Nicht im Vergessen, sondern durch Erinnern und Dank an alle diejenigen Personen, die während der schwierigen Zeit füreinander da waren. Auch in der heutigen Zeit bleibt die Gemeinschaft, die gegenseitige Rücksicht und Hilfe ein wichtiger Wert, den wir auch kommenden Generationen weitergeben wollen.

Vielen Dank.

Zurück

[ DTP ]